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Platsch. Platsch. Irgendetwas Nasses traf meine Hand. Dann traf es mein Gesicht, meinen Hals und meine Arme. Scheinbar unendliche Zeit brauchte mein Gehirn um zu verstehen, dass es regnete und dass ich ausgestreckt auf der Erde lag. Erst dann war ich hellwach. Mit einem leisen Fluch sprang ich hoch und unterdrückte als nächstes einen Schrei. Meine ausgekugelte Schulter tat fast noch mehr weh als vorher. Keuchend stand ich in der Dunkelheit. Was war mit meinen Augen los? War ich auf einmal blind? Vor meinem inneren Auge tauchte das Bild eines Lichtballes auf, der sich auf mich zu bewegte. Hatte er mich geblendet? Panisch versuchte ich etwas zu sehen, doch alles blieb dunkel. Dann fühlte ich, wie mir Tränen die Wangen herunter liefen. Und genau in diesem Moment bemerkte ich ein Leuchten am rechten Rand meines Blickfeldes. Als ich meinen Kopf in die Richtung drehte, blieb das Leuchten, wo es war, doch als ich meine Hand auf das Leuchten hinbewegen wollte, bewegte es sich auch. Noch ein paar Mal ging dieses Spiel hin und her, bis ich begriff, dass das Leuchten von meiner Hand ausging. Ich hob sie an meine Augen und begriff nun endlich, dass ich nicht blind war. Nur der Himmel war bedeckt und ich war irgendwo im Nirgendwo ohne Straßenlampen.

Doch meine leuchtende Hand blieb mir unbegreiflich. Ich bewegte meine Finger und das Leuchten verteilte sich auf jeden einzelnen Finger, sodass sich fünf Striche in der Dunkelheit bewegten. Was war das nur? „Magie gibt es schon seit Anbeginn der Zeiten“, tönte plötzlich die Stimme meines Vaters in meinem Kopf. Magie. Es musste Magie sein, nichts anderes machte Sinn. Eine Hand fing nicht von allein an zu leuchten. Es sei denn, ich wäre bei meinem Sturz zufällig in einer Pfütze mit fluoreszierenden Mittel gelandet. Doch das war mitten auf einem Feld noch unmöglicher als die Tatsache, dass ich Magie benutzt hatte.

Als ich meine Hand wieder ansah erinnerte mich das Leuchten an etwas anderes. An eine Person, die von Lichtkugel und – blitzen getroffen wurde. Und mein Gehirn lieferte mir sofort den Namen dieser Person. Dora. Dora, die für mein Leid verantwortlich war, die meine Geschwister entführt hatte. Geschwister? Ich erstarrte. Wie konnte ich denn nur Josi vergessen. Wo war sie? Und wo war Cassy?

Ich machte ein paar unsichere Schritte in die eine Richtung, drehte um und ging wieder in die Gegenrichtung. Dabei hielt ich meine leuchtende Hand wie eine Taschenlampe vor mir ausgestreckt. Dadurch konnte ich aufgeworfene Erde und ein paar Grasbüschel erkennen, doch der Lichtkreis reichte kaum ein paar Schritt weit. Ich hielt an und wedelte mit meiner Hand in der Luft herum. „Wenn sie doch nur heller scheinen würde“, dachte ich mit einem Seufzen. Und im nächsten Augenblick schrie ich erschrocken auf. Denn meine Hand leuchtete tatsächlich wie ein Scheinwerfer. Dann passierte das Seltsamste an diesem ganzen Tag: Das Leuchten löste sich von meiner Hand und formte sich zu einer Kugel, die träge über meinem Kopf schwebte. Ich schüttelte fassungslos den Kopf. Bei Gelegenheit würde ich jemanden fragen, wie ich das geschafft hatte, aber im Moment waren mir Josi und Cassy wichtiger.

 Trotz des Lichts aus der Kugel über meinem Kopf stolperte ich über das Feld und suchte verzweifelt nach einem Lebenszeichen von den Beiden. Dann endlich fand ich sie. Sie hatten Schutz unter einer Gruppe von Bäumen gesucht. Dort saßen sie, Cassy an den Stamm eines Baums gelehnt und Josi, den Kopf in den Schoß der Großen gelegt und schlafend. Ich lächelte erleichtert. Sie waren beide trocken und gesund. Im Gegenteil zu mir. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich vollkommen durchweicht von dem Regen war. Ich zuckte mit den Achseln. Daran konnte ich jetzt wohl nicht mehr ändern.

Ich wollte mich gerade auch an den Stamm lehnen, als Cassy neben mir erwachte. Sie sah mich vollkommen erstaunt an, dann sprudelte alles aus ihr heraus:

„Es tut mir so leid, Mina! Ich wollte dir wirklich helfen. Aber dieses Mädchen da, ich weiß nicht was sie mir dir gemacht hat, es ging alles so schnell. Da habe ich Josi nu noch gepackt und bin weggerannt. Doch da war diese komische unsichtbare Wand und wir konnten nicht weiter. Und dann war sie auf einmal hinter mir und wollte, dass ich ihr Josi gebe – das hab ich natürlich nicht gemacht – und sie meinte nur, ich solle das lieber machen, sonst würde es mir leid tun. Und dann hat sie mich berührt und ich konnte mich nicht mehr bewegen und alles ist um mich schwarz geworden. Als ich wieder zu mir gekommen bin, saß Josi da neben dir und hat geweint. Also hab ich sie beruhigt und wollte dich wegziehen, aber du hast dich nicht bewegt und ich konnte dich keinen Zentimeter wegbekommen. Also hab ich lieber die Kleine erstmal in Sicherheit gebracht, weil es ja angefangen hat zu regnen und dann ist sie eingeschlafen und du lagst da immer noch draußen… Es tut mir so leid!! Ich hätte dich da wegbringen müssten!“

In Cassys Augen glänzten Tränen. Ich lächelte nur. „Das ist doch nicht schlimm. Du siehst doch: Ich bin hier. Und so gesund, wie man es mit einer ausgekugelten Schulter und klatschnassen Sachen sein kann.“ Sie nickte. Dann wanderte ihr Blick zu der Lichtkugel über meinem Kopf und ihr blieb der Mund vor Staunen offen. „Was ist das?“, hauchte sie und sah mich unsicher an. Ich zuckte wieder mir den Schultern. „Ich weiß es nicht. Zuerst war es nur um meine Hand und als ich mir gewünscht habe, dass es größer werden soll, wurde plötzlich diese Kugel daraus. Ich weiß echt nicht, was das soll.“ Cassy nickte, doch in ihrem Blick lag nicht nur Verwirrung, sondern auch Furcht. Furcht vor dem, was passiert war. Und Furcht vor mir!

5.2.08 19:10
 


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